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Begegnung statt Programm – was ich von der Mann|Sein-Konferenz 2026 mitnehme

Ich war auch dieses Jahr wieder auf der Mann|Sein-Konferenz in Berlin. Es war mein sechster Besuch – und doch fühlt es sich jedes Mal anders an. Tiefer vielleicht. Klarer. Und gleichzeitig schwer in Worte zu fassen.

Für mich begann die Konferenz schon einen Tag früher. Bei der Leaders-Konferenz kamen etwa 30 Männer zusammen, die sich aktiv in der Männerarbeit engagieren. Ein Raum voller Erfahrung, Engagement und auch unterschiedlicher Ansätze. Wir haben darüber gesprochen, wie wir das, was wir tun, mehr in die Welt bringen können. Wie wir sichtbarer werden, ohne uns zu verbiegen. Und was es braucht, damit Männer überhaupt einen Zugang zu dieser Arbeit finden. Es ging nicht um schnellen Konsens, sondern um echtes Ringen. Und gleichzeitig war spürbar: Da ist etwas in Bewegung. Schritte sind angestoßen worden.

Am nächsten Tag begann dann die eigentliche Konferenz, an den Tegeler Seeterrassen. Rund 250 Männer mit den unterschiedlichsten Hintergründen und Biografien waren gekommen. Geleitet von der gemeinsamen Sehnsucht, die eigene Männlichkeit zu entwickeln. Das Programm war vielfältig: Vorträge, Workshops, Kleingruppen. Mann hätte sich leicht in der Fülle verlieren können. Und doch waren es für mich nicht in erster Linie die Inhalte, die diese Konferenz so besonders machen.

Es sind die Zwischenräume.

Die Momente zwischen den Programmpunkten, in denen nichts vorgegeben ist. In denen es still wird. In denen ich einem anderen Mann begegne, ohne Rolle, ohne Auftrag. Diese kurzen Gespräche, manchmal nur ein paar Minuten, manchmal länger – sie tragen oft mehr in sich als ein ganzer Workshop. Da ist plötzlich eine Offenheit, die sonst im Alltag selten Raum bekommt. Ein echtes Zuhören. Kein Wettbewerb, kein „Sich-beweisen-müssen“. Stattdessen entsteht Verbindung. Nicht, weil wir uns kennen, sondern weil wir uns zeigen.

Ich merke, wie sehr mich genau das berührt. Und auch, wie selten solche Räume sind.

Natürlich war ich nicht nur als Teilnehmer da. Gemeinsam mit meinen Vereinskollegen Andreas Gran und Marco Walter standen wir mit einem Stand des Männergruppen-Netzwerks e.V. vor Ort. Auch dort ist etwas entstanden, das sich kaum planen lässt. Männer kamen auf uns zu, die bereits Gruppen leiten und sich austauschen wollten. Andere spürten zum ersten Mal den Wunsch, selbst so einen Raum zu schaffen, ohne genau zu wissen, wie das geht. Da ist oft eine Mischung aus Neugier, Unsicherheit und gleichzeitig einer leisen Entschlossenheit.

In solchen Gesprächen wird für mich immer wieder deutlich, worum es eigentlich geht. Nicht um Konzepte oder Methoden. Sondern um den Mut, anzufangen. Um die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst und für einen Raum, in dem andere Männer sich zeigen können. Viele stellen ähnliche Fragen: Reicht das, was ich mitbringe? Kann ich wirklich einen Kreis halten? Was, wenn ich selbst unsicher bin?

Und ich merke, wie wichtig es ist, genau dort anzusetzen. Nicht mit fertigen Antworten, sondern mit Ermutigung zur eigenen Erfahrung. Männerarbeit lebt nicht davon, dass wir perfekt sind. Sie lebt davon, dass wir ehrlich sind.

Auch die Konferenz selbst spiegelt das wider. Bei aller Vielfalt und Struktur ist da immer diese Einladung, sich selbst zu begegnen. Manchmal geschieht das in einem Workshop. Manchmal in einem intensiven Gespräch. Und manchmal an ganz unerwarteten Orten.

Ich erinnere mich an einen Moment im Wasser. Eisbaden war Teil des Programms. Für einen kurzen Augenblick war alles ganz klar: der Atem, die Kälte, die Präsenz. Kein Nachdenken, kein Grübeln. Einfach da sein. Und vielleicht ist genau das ein gutes Bild für diese Tage.

Es geht nicht darum, etwas zu erreichen oder zu optimieren. Es geht darum, da zu sein. Sich selbst zu spüren. Und sich in Beziehung zu anderen Männern zu erleben – jenseits von Rollen und Erwartungen.

Wenn ich zurückblicke, nehme ich weniger konkrete Inhalte mit, sondern eher ein Gefühl. Eine Erinnerung daran, wie es sich anfühlt, wirklich verbunden zu sein. Und die leise Gewissheit, dass diese Form von Begegnung immer wieder möglich ist. Die Frage ist vielleicht nicht, ob wir solche Räume brauchen. Sondern ob wir bereit sind, sie auch im Alltag entstehen zu lassen.

Dirk Kreuzer

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