Warum Gemeinschaft, Offenheit und Vertrauen helfen, inneren und äußeren Frieden zu entwickeln.
Die Welt verändert und entwickelt sich seit Anbeginn. Alles ist in Bewegung. Alles wirkt aufeinander ein. Jeder Mensch ist Teil der Menschheitsgeschichte und gestaltet sie mit – bewusst oder unbewusst. Die Welt verändert mich und ich verändere die Welt. Gehe ich für das was ich will, was ich mir wünsche, woran ich glaube, oder bin ich im Konflikt gegen etwas, das ich nicht will? Wie trage ich zum Frieden dieser Welt bei? Was bedeutet Frieden für mich und wird die Menschheit jemals Frieden finden? Diese Fragen und letztendlich die Suche in und mit mir Frieden zu finden, treiben mich gewissermaßen ein Leben lang an.
Das Zitat von Mahatma Gandhi: „Die Geschichte der Menschheit lehrt uns, dass uns die Geschichte der Menschheit nichts lehrt.“ beschreibt das Paradoxon menschlichen Verhaltens, im Umgang mit der Vergangenheit. Ein kollektiver Überlebenskampf, der sich durch unsere Menschheitsgeschichte zieht. Konkurrenz, Macht, Gewalt, Ausbeutung und Krieg. Ob die Menschheit jemals Frieden finden wird, ist nach meiner Auffassung eine Haltung zu verkörpern, jeden Moment so zu leben, als sei Frieden möglich – in meinen Gedanken, Worten und Taten. Die Latte liegt hoch, aber „egal woran ich glaube, am Ende werde ich recht bekommen“
Ich befasse mich seit mehr als 20 Jahren mit der Fähigkeit menschlichen Bewusstseins und menschlicher Schöpferkraft. Ich lerne mich und die Welt im Außen, als Spiegel meiner Innenwelt kennen-, und verstehen. Ich bilde, informiere und engagiere mich, unser irdisches Leben und Wirken zu begreifen und mitzugestalten. In der Reife meines Lebens wird die Gewissheit zur Erfahrung, dass die Geschichte der Menschheit nicht irgendwo außerhalb von mir geschieht. Sie entsteht in meinen Gefühlen, meinen Gedanken, die zu Worten und letztendlich zu meinen Handlungen werden. Genährt von Ängsten und Sehnsüchten. Meinem Wunsch nach Liebe, Zugehörigkeit, Anerkennung und Sicherheit. Ich habe gestritten, um Recht zu bekommen. Ich habe meinen Selbstwert über Leistung definiert. Ich will gesehen und mit den Anteilen geliebt werden, die ich in mir selbst ablehne. Mein innerer Unfrieden wird zum äußeren Unfrieden. Mein innerer Kampf wird zum äußeren Kampf. Ich bin überzeugt, dass uns eine aufrichtige, vertraute und verbundene Gemeinschaft all das gibt, das jeder wirklich braucht, um sich wohl und geborgen in seinem Umfeld zu fühlen. Verbunden, Zugehörig, und letztendlich Sicherheit in der Verbundenheit erfährt, als gemeinschaftliches Fundament wohlwollend mit anderen zu sein.
Gemeinschaften und Männergruppen sind Räume, in denen wir Geschichte mitschreiben. In denen wir kooperieren, statt zu konkurrieren. In denen wir aufhören, gegen uns selbst und gegen andere zu kämpfen. In denen wir lernen, uns selbst anzunehmen und beginnen, uns in unserer Menschlichkeit zu begegnen. In Männergruppen schaffen wir Räume, in denen wir unsere Masken und Rollen ablegen. Hier darf ich Mensch sein. Hier darf ich Mann sein. Wenn niemand besser oder klüger ist. Wenn Männer teilen, was sie im Inneren wirklich bewegt. Wenn jemand erlebt: Ich werde gesehen, gehört und verstanden. Andere interessieren sich wirklich für mich. In solchen Momenten entsteht Verbindung, Vertrauen, Entspannung, letztendlich eine Erfahrung von Frieden.
Meine erste Erfahrung in einer Männergruppe war bei den Herzenskrieger. Wie es der Titel beschreibt, stand der archetypische Krieger im entsprechenden HK-Seminar im Fokus der Männlichkeit. Den Krieger habe ich zeitlebens unterdrückt und im Außen abgelehnt. In der Männergruppe habe ich das erste Mal realisiert, dass ich mit meinen inneren Auseinandersetzungen und Selbstzweifeln nicht alleine bin. Entgegen meinem Bild vom vermeintlich starken und selbstbewussten Mann, der alles im Griff hat. Insbesondere seine Gefühle. Das jeder auf seine Weise, durch seine Filter, Unsicherheit, Ängste und Schwächen durch innere Kontrolle zu kompensieren versucht, um einem imaginären Selbstbild zu entsprechen. Natürlich hat es eine Zeit gebraucht, mich einzulassen und anzuvertrauen, mich mit all meinen inneren Durcheinander im Kreis der Männer zu öffnen. Doch der Mut wird belohnt und stärkt unsere Selbstachtung, authentisch und in Würde zu sich zu stehen. Ich erfahre Anerkennung, Verbundenheit und ein Gefühl wertvoll zu sein, dazuzugehören, ohne Leistung oder gesellschaftliche Attribute. Ohne glänzende Rüstung und Feuerpferd.
„Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt“ (Albert Einstein)
Phantasie geht über das Wissen hinaus. Phantasie erschafft Welten.
Der Wunsch nach Frieden – sowohl im Inneren als auch im Äußeren – ist eine der grundlegendsten menschlichen Bestrebungen. Nach demokratischer Definition, ist Frieden eine umfassende und dauerhafte Rechtsordnung und Lebensform, bei der Wohl und Wohlstand der Bürger und Bürgerinnen oberste Ziele sind. Nur wie kommt diese Definition vom Kopf in den Körper? Wie kann diese Lebensform eines gemeinschaftlichen Wohl-Wollen, zu einer kollektiven, gesellschaftlichen Haltung werden? Wie können wir einander Vorbild sein für eine Gemeinwohl- Phantasie? Dazu braucht es nach meinem Dafürhalten die Phantasie, dass es möglich ist. Mit Mut im Herzen, freiem Geist und Schöpferkraft für eine bessere Welt. Es waren und sind es die „Träumer“, nicht die Zweifler, die die Welt verändern.
Ich kann mich heute recht gut verstehen, warum ich so bin wie ich bin. Warum ich so empfinde, wie ich empfinde. Warum mich bestimmte Menschen und bestimmte Dinge triggern und andere nicht und was das mit mir zu tun hat. Jeder hat seinen wunden Punkt. Ich verstehe, dass meine Bedürfnisse nach Nähe, Zugehörigkeit und Sicherheit, menschliche Bedürfnisse sind, die uns alle Einen. Mir ist die Freiheit, mich mit meiner Geisteshaltung zu zeigen und Mitzuteilen, ein hochrangiger Wert. Meine Gedanken, Gefühle und Wahrnehmung, meine Sicht auf die Wirklichkeit, ist eine persönliche und Einzigartige. Weder falsch noch richtig. Je besser ich mich kennenlerne, je weniger fürchte ich mich vor der Andersartigkeit. Je weniger muss ich mich vergleichen, je mehr kann ich von anderen lernen.
In einem Treffen in unserer Männergruppe, haben wir uns mit dem Thema: „annehmen was ist“ auseinandergesetzt. Mit dem Leitgedanken von Václav Havel: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht – egal wie es ausgeht.“
Das Leben konfrontiert uns immer wieder mit unerwarteten und unerwünschten Situationen. Konflikte, Verluste, Krankheit, Enttäuschungen oder gescheiterte Vorhaben. Es entsteht ein innerer Kampf, ein Widerstand gegen das was ist. Selbstzweifel – Festhalten – Verdrängen – Schönreden – Kontrollieren und die Hoffnung, dass es gut ausgeht. Gleichzeitig kennen wir vermutlich alle die Momente, in denen wir ahnen – Erst wenn ich aufhöre gegen etwas zu sein, entsteht Raum für Akzeptanz und annehmen. Doch wie gelingt das wirklich? Nicht nur als Gedanke — sondern als emotionale Erfahrung, durch eine Beziehung zu dem was ist. In entsprechenden Übungen sind wir unseren Verhaltensmustern nähergekommen, um letztendlich vielleicht den verborgenen Sinn innerer Widerstände zu erkennen und anzunehmen. Eine heilsame Erfahrung in der Beziehung zu sich selbst.
Veit Lindau sagt: Der Hauptgrund, warum wir keinen Frieden auf unseren Planeten finden – weil wir Menschen zu unserem eigenen Bewusstsein, zu der Beziehung zu uns selbst, eine relativ niedrig entwickelte Spezies sind. Wir sind gut darin Dinge zu bauen, zu erschaffen, raus zu gehen, zu jagen, immer höher zu bauen, Wissenschaft voranzutreiben, Technologien weiterzuentwickeln, aber auf die spannende Frage, was ist eigentlich Frieden und wie Wahre ich, wie erschaffe ich erst mal Frieden in mir, sind wir offenbar nicht besonders gut.
Ich denke, die Geschichte der Menschheit lehrt uns den Sinn, dass der Weltfrieden in Koexistenz mit allem Leben nicht auf den großen Bühnen der Welt geschrieben wird. Er entsteht in jedem einzelnen Menschen. In jeder Begegnung. In jedem Gedanken. In jedem Wort. In jeder Handlung. Unsere Sprache ist ein mächtiges Werkzeug – Gedanken werden zu Worte, mit denen wir zu uns selbst und zu unserem Umfeld Verbindung oder Distanz schaffen.
„Niemand wird geboren um einen anderen Menschen zu schaden. Menschen können lernen zu hassen, und Menschen können lernen zu lieben. Zu lieben jedoch entspricht der menschlichen Natur“ (Nelson Mandela)
Ich glaube daran, die Veränderung zu sein, die ich mir für diese Welt wünsche. Meine Haltung zum Frieden wird zum Raum, in dem andere Frieden finden können. Das ist mein Weg, mein Anliegen und mein Beitrag für ein friedvolles Miteinander.
Namaste
Peter Ehrenfels
