…und warum er dazu in eine Männergruppe gehen sollte.
Das Altern ist eine unvermeidliche Reise, die oft mit dem Verlust von Freiheiten und Fähigkeiten einhergeht. Es ist eine Zeit, in der Groll und Frustration aufkommen können, wenn man sich mit den Veränderungen des eigenen Körpers und Geistes auseinandersetzt. Das kann ich in meinem Bekanntenkreis immer wieder erkennen. Auch ich habe das letzte Lebensdrittel angeschnitten und mich gefragt, warum es mir anders geht und ich das Altern als eine Phase des Wachstums und der Gemeinschaft erlebe.
Alle drei Wochen besuche ich eine Männergruppe und die Anerkennung und die Unterstützung, die ich dort erfahre, machen einen Unterschied. Wir teilen an den Gruppenabenden unsere Erfahrungen, und bleiben so gemeinsam aktiv, im Kopf wie im Körper. Bewegung ist erwiesenermaßen ein wichtiger Bestandteil für das Wohlbefinden im Alter und in der Gruppe fällt es uns leichter, die erste Hürde zu überwinden. Es kommt auch vor, dass wir Anregungen für neue Aktivitäten erhalten und diese gerne ausprobieren. Unser gemeinsames Stabfechten war trotz kühler Temperaturen ein großartiges Erlebnis.
Als älterer Mensch wird man früher oder später mit dem Thema Tod konfrontiert. Alleine kann die Auseinandersetzung damit schwer sein und daher geht man dem Thema lieber aus dem Weg. In der Männergruppe fanden wir den Mut und konnten gemeinsam darüber sprechen und Wege finden, mit dem Gedanken an das eigene Ende umzugehen. So haben wir uns gegenseitig unsere eigenen Grabreden vorgetragen und zusammen geübt zu sterben, auch wenn dies zunächst abstrus klingt. Das hat uns geholfen eine Vision zu entwickeln, wie man alt werden und welchen Tod man sterben möchte und war eine sehr spannende Erfahrung.
Doch dieser Artikel ist kein Plädoyer dafür, dass sich ältere Männer nur untereinander treffen. Eine Männergruppe ist kein Alten-Café, sondern ein Ort der Gemeinschaft und des Austauschs. Junge wie ältere Männer suchen nach einem Raum, in dem sie sich verstanden und unterstützt fühlen. In einer Männergruppe fühle ich mich gestärkt und werde mutiger die Herausforderungen des Alterns anzunehmen. Dabei trägt mich die Verbundenheit mit den anderen Männern die mitfühlen, denn jeder Mann altert – jeden Tag, auf seine Weise
Männer im jüngeren und mittleren Alter gewinnen durch den Austausch mit Älteren wertvolle Einsichten. Es ehrt mich immer wieder, wenn ich Feedback geben darf, meine Sichtweise darstellen soll oder sogar als Mentor gefragt werde. Wir älteren Männer können auch heute noch den Jüngeren ein Vorbild sein. So gesehen zu werden fühlt sich, gelinde gesagt, großartig an.
Gemeinsame Unternehmungen und Aktionen fördern den Zusammenhalt und schaffen unterstützende Gemeinschaft. Bei solchen Gelegenheiten habe ich die Agilität von jungen Männern als bereichernd und anregend erfahren können. Eine Männergruppe ist ein starkes Netzwerk, das in verschiedenen Lebensphasen Unterstützung bietet – ohne Beschränkung der Themen oder der persönlichen Lebensumstände.
Durch und mit der Männergruppe ist der Beginn des letzten Lebensdrittels für mich zu einer Zeit der neuen Möglichkeiten geworden. Es ist eine Zeit, in der ich mich neu verstanden und unterstützt fühle, in der man gemeinsam lacht, weint und wächst. Eine Zeit, in der ich die Schönheit des Lebens in all seinen Facetten erkenne und wertschätze.
