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Review zum Onlinevortrag von Markus Theunert am 12.03.2026

Der Abend mit Markus Theunert hat uns als Männergruppen‑Netzwerk e.V. auf berührt, dieser Vortrag ging über ein typisches fachliches Impulsreferat hinaus. Es war nicht nur ein Vortrag über Männlichkeit, es war ein Spiegel für unsere Arbeit und eine Erinnerung daran, warum wir tun, was wir tun.

Markus hat uns gleich zu Beginn daran erinnert, dass Mannsein kein Zustand ist, den man irgendwann erreicht und dann besitzt. Es ist ein permanenter Prozess, ein ständiges Navigieren zwischen äußeren Erwartungen und inneren Wahrheiten. Für viele Männer fühlt sich dieses Navigieren nach einem Kampf an – und nicht selten nach einem einsamen. Was uns bewegt hat, war die Klarheit, mit der er ausgesprochen hat, dass dieses Ringen kein persönliches Versagen ist, sondern eine Folge gesellschaftlicher Männlichkeitsnormen, die niemand vollkommen erfüllen kann und die uns von klein auf begleiten. Genau hier beginnt der Auftrag der Männerarbeit: nicht beim Reparieren von Defiziten, sondern beim Verstehen der inneren Dynamiken, die uns zu oft daran hindern, frei zu leben und in Beziehung zu sein.

Besonders kraftvoll war die Art, wie Markus das Konzept des „Undoing Masculinity“ erklärt hat. Nicht als Angriff auf Männlichkeit, sondern als liebevollen Akt der Befreiung. Wir alle tragen innere Wächter in uns, die aufpassen sollen, dass wir nicht zu weich, nicht zu laut, nicht zu emotional, nicht zu bedürftig werden. Als wären diese inneren Anteile gefährlich. Viele Männer kennen die Zellentür, hinter der sie tiefe Verletzlichkeit eingeschlossen halten. In Markus’ Bild des „Gefangenen und Wächters in Personalunion“ kann sich der ein oder andere Mann selbst wieder erkennen.

Genau dafür sind Männergruppen da. Für diesen Moment, in dem ein Mann sich traut, ein Stück seiner inneren Wahrheit zu zeigen. Für die Augenblicke, in denen ein anderer Mann nicht zurückweicht. Für das leise Nicken im Kreis, das sagt: „Ich kenne das.“ Für die Erfahrung, dass es möglich ist, sich nicht zu verlieren, wenn man sich zeigt. Markus hat in Worte gefasst, was wir als Verein seit Jahren erleben: Männer brauchen Räume, in denen wir nicht funktionieren müssen, sondern sein dürfen. Räume, in denen Konkurrenz keine Rolle spielt, sondern Nähe; in denen wir die Teile wiederfinden können, von denen wir dachten, wir wären zu alt dafür oder zu männlich oder zu allein.

Was uns besonders angesprochen hat, war seine klare Haltung, dass Männerarbeit mehr ist als ein Wohlfühlabend. Wärme, Zugehörigkeit und Ermutigung sind essenziell – aber sie reichen nicht, wenn wir es bei ihnen belassen. Wirkliche Veränderung entsteht dort, wo wir uns auch der Irritation stellen. Dort, wo wir bemerken, dass wir in alte Muster rutschen. Dort, wo wir uns trauen, unbequeme Fragen zuzulassen. Markus hat es sehr treffend formuliert: Wenn es sich in einer Männergruppe so bequem anfühlt wie ein Paar alte Schuhe, dann sind es wahrscheinlich die alten Schuhe. Entwicklung braucht beides – das sichere Ankommen und das mutige Weitergehen.

Für uns als Männergruppen‑Netzwerk e.V. war dieser Abend auch ein politisches Signal. Nicht im parteipolitischen Sinn, sondern im tiefen Verständnis dafür, dass Männerarbeit immer auch gesellschaftliche Wirkung hat. Wenn Männer lernen, mit ihrer eigenen Verletzlichkeit in Kontakt zu kommen, verändert sich auch ihr Umgang mit Macht, mit Beziehungen, mit Konflikten und mit sich selbst. In einer Zeit, in der viele Männer zwischen Überforderung und Rückzug pendeln, und in der gesellschaftliche Debatten oft laut, moralisch oder spaltend geführt werden, brauchen wir Räume, in denen echte Begegnung möglich ist. Männergruppen sind solche Räume – unscheinbar, still, oft im Hintergrund, aber transformativ in ihrer Wirkung.

Uns hat bewegt, wie klar Markus benannt hat, dass diese Arbeit gebraucht wird. Die Vision, die wir als Verein teilen, hat in diesem Vortrag einen kraftvollen Widerhall gefunden: Männer sollen erfahren dürfen, dass ihre Verletzlichkeit kein Makel ist, sondern ein Zugang zu sich selbst. Sie sollen Räume finden, in denen sie lernen, Nähe zuzulassen, Verantwortung zu übernehmen und Beziehungen so zu gestalten, dass sie tragen.

Dieser Abend war ein Erinnern. Ein Erinnern daran, wie wichtig es ist, dass wir Männer uns begegnen – nicht in Rollen, sondern als Menschen. Ein Erinnern daran, dass Veränderung möglich ist. Und ein Erinnern daran, dass jede Männergruppe ein Ort ist, an dem ein anderer Weg beginnen kann.

Wenn du beim Lesen spürst, dass dich etwas berührt, etwas ruft oder etwas öffnet, dann nimm das ernst. Vielleicht ist es Zeit, einen Schritt zu gehen. Einen Schritt in Richtung Verbindung, Ehrlichkeit und innerer Freiheit. Unsere Türen stehen offen!

Wir gehen diesen Weg nicht für Männer. Wir gehen ihn mit ihnen.

Und vielleicht beginnst du genau hier, heute, damit, deinen eigenen Weg zu gehen.

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